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Der Comic Enthusiast
Thierry Zeller führt seit 34 Jahren den Laden Comic Time
1991 hat Thierry Zeller seinen Comic Laden eröffnet, bis heute hat er Erfolg damit. Ein Geschäft, das viele im digitalen Zeitalter für halbtot erklären, in einer Zeit, in der Comics als Dinosaurier der Literaturszene gelten. Nach zwei Umzügen, einer inzwischen größeren Ladenfläche und nach vielen Trends und Neuerungen, ist Thierry sattelfest wie bereits vor über drei Jahrzehnten. Seine Kundschaft kann sich auf eine individuelle und qualifizierte Beratung verlassen.
Von Tanja Moosrainer
Thierry, woher kommt die Leidenschaft für Comics, die dich zu deinem eigenen Laden motiviert hat?
Die Leidenschaft liegt im französischen Blut, in Frankreich lesen alle Comics. Meine Cousins, Tanten und Onkel hatten Comics zuhause. In der französischen Kultur sind Comics kulturell verankert und werden regelrecht verehrt. Da ist es geradezu komisch, wenn du keine liest, es gehört einfach dazu.
Und das hat gereicht, einen eigenen Laden zu eröffnen?
Ich habe während meines Studiums schon in einem Comicladen gejobbt und die Arbeit sehr geliebt. Als ich mit dem Studium fertig war und mein Diplom hatte, habe ich dann den Shop eröffnet, weil ich Lust dazu hatte. Es gab zum damaligen Zeitpunkt nur einen Plattenladen in Augsburg, der auch ein paar Comics hatte, ich habe da aber nicht großartig recherchiert.
Klingt ganz schön waghalsig.
Wer wagt, der gewinnt.
Nach deinem ersten Laden in der Altstadt, bist du in die Hermannstraße umgezogen und schließlich seit 2022 hier in Göggingen gelandet. Was hat dich zu den Umzügen bewogen?
Die alten Läden wurden mit der Zeit zu klein, waren zu verwinkelt, mit jedem Umzug hat sich die Chance einer noch besseren Geschäftspräsentation ergeben.
Was hast du denn alles in deinem Sortiment?
Wir haben ein Vollsortiment an Mangas, ein großes Sortiment an europäischen, also frankobelgischen Comics und Amerikanisches. Außerdem gibt’s etwas Merchandise, Spiele, hauptsächlich aber Literatur.
Was verkauft sich am besten?
Das kann man so nicht sagen, die Geschmäcker sind so verschieden und genau das finde ich total schön. Wichtig ist, seine Leute zu kennen, zu wissen, was sie gern lesen und dementsprechend zu beraten.
Klingt als würdest du von der Stammkundschaft leben. Der Laden in Göggingen ist im Vergleich zu deinen alten Läden am weitesten ab vom Schuss und greift nicht gerade Laufkundschaft ab, oder?
Die Kund:innen sind alle mit mir rausgezogen, die Beziehungen bleiben, weil die Menschen die persönliche Beratung schätzen. Ein paar neue Gesichter aus Göggingen sind dazugekommen, aber Laufkundschaft gibt es hier eher wenig.
Mal abgesehen von der Corona-Pandemie, wie hat sich das Geschäft für dich in den letzten 34 Jahren verändert?
Es gab durchweg eine leichte Steigerung.
Ich dachte, das Geschäft mit Comics ist vom Aussterben bedroht…
Ich würde heute definitiv keinen Comicladen mehr eröffnen, sich das in der heutigen Zeit zu erarbeiten, ist nicht mehr möglich. Ich habe mir das über die Jahre aufgebaut und der Laden ist zur Institution geworden.
Wer kommt zu dir?
In der Manga Sparte sind es eher die jungen Erwachsenen, bei den europäischen Comics sind es Ältere. Es findet selten ein Sprung von den Mangas zu den Comics statt, weil die Sparten zu verschieden sind.
Was magst du am liebsten?
Ich probiere alles mal aus. Wenn neue Comics reinkommen, dann lese ich da schon rein, eine Nummer 1 von einem Manga lese ich vor allem, um einschätzen zu können, wem das Material gefallen könnte. Ansonsten bin ich schon eher bei den Klassikern hängen geblieben. Ich fahre jeden Tag mit dem Zug von Dinkelscherben hier her, auf den Fahrten wird gelesen.
Wie unterscheiden sich amerikanische von französischen Comics?
Die Amerikaner haben sich hauptsächlich auf Superhelden fokussiert, die Franzosen sind in nahezu allen Genres unterwegs, wobei den romantischen Part besonders die Japaner abbilden. Durch die japanische Comicszene kam auch verstärkt die weibliche Kundschaft. Frauen mögen außerdem sehr gern Horror, je blutiger, desto besser. Das „Boys Love“ Genre funktioniert auch besonders bei den weiblichen Fans. Schöne, unberührbare, homosexuelle Männer. Das kommt an.
Welchen Stoff würdest du Neulingen empfehlen?
Jeder Mensch hat Interessen und Bereiche, für die er brennt. Dann recherchieren wir gemeinsam, schauen uns Bilder an und finden etwas Entsprechendes, dazu braucht es keine Comic Vorerfahrung. Es gibt für jeden Comics! Das schöne am Comic ist, die Kombi aus Bild und Text. Durch diese Symbiose ist das Gehirn so gefordert, dass du alles um dich herum vergisst. Das ist anstrengend, aber du tauchst auch voll ab und prägst dir Geschichten durch das doppelte Erlebnis viel leichter ein.
Ich frage mich gerade, was genau der Unterschied zwischen Graphic Novels und Comics ist? So wirklich erschließt sich mir der nicht.
„Graphic Novel“ ist ein Marketingbegriff, den die Buchhandlungen erfunden haben, weil es besser klingt.
Abgesehen von Literatur bietet ihr auch Spieleabende an. Was erwartet mich da?
Wir haben täglich Brettspielabende, die von mir und meinem Team während des Abends angeleitet und moderiert werden – eine Mischung aus Brett- und Rollenspiel. Da können an einem Abend bis zu 20 Leute kommen, diese Abende funktionieren extrem gut.
Ihr habt kürzlich sog. Maids/Cosplayer:innen gesucht, die als Unterstützung auf Conventions auftreten und Teil des Maid Café Teams werden möchten. Das musst du erklären.
Das sind Cosplayer:innen, die sich als Bedienungen verkleiden. In gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre gibt es bei uns Kaffee und Kuchen und die Möglichkeit für Austausch untereinander. Die Maids kommen von echt weit her und stecken viel Herzblut in ihre zum Teil selbst genähten Kostüme.
Hat dich das Faible für Verkleidung auch erwischt?
(lacht) Ne! Nicht mal zur Faschingszeit. Die Cosplayer:innen toben sich so kreativ an ihrer Verkleidung aus, das könnte ich gar nicht. Meine kreative Energie fließt in die Rollenspiele und Entwicklung neuer Spielideen. (tm)
Website:
www.comic-time.de






