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Nachgefragt

„Geht wählen! Demokratie gibt’s nicht geschenkt“

OMAS GEGEN RECHTS – Gegen die Geister der Vergangenheit

Seit Anfang Januar stehen die OMAS GEGEN RECHTS vor dem Augsburger Rathaus, um mit Gespensterpuppen an die bösen Geister der Augsburger Nazi-Vergangenheit zu erinnern und zu mahnen. Walter Sianos traf Monika Brocker, Ute Füllgraf-Treu, Gertrud Jedelhauser, Doris Hutter und Cornelia Benesch von den drei Augsburger Ortsgruppen zum politischen Gespräch.

Die erste Frage drängt sich einfach auf. Es gibt OMAS GEGEN RECHTS (OGR) und Omas for Future. Was treiben die Opas eigentlich so die ganze Zeit?
Diese Frage stellen wir uns auch. Es gibt schon agile und interessierte Opas, aber sie sind eben nicht ganz so öffentlichkeitsaffin. Vielleicht liegt es aber daran, dass Omas näher an Enkeln und jungen Leuten sind, aber selbstverständlich sind bei uns auch Männer willkommen.

In Augsburg existieren drei OGR-Teams: Einmal die Gruppe Augsburg-Stadt, dann Augsburg Nord-West und die vom OGR-Verein Deutschland. Warum seid ihr in Gruppen aufgeteilt?
Weil sich alle gleichzeitig und unabhängig voneinander geründet haben, in den unterschiedlichen Formaten. Wir hatten also dieselben Ideen zur gleichen Zeit. In einer Stadt wie Augsburg läuft man sich zwangsläufig über den Weg und seit dem arbeiten wir zusammen.

OGR ist ja eine bundesweite Bewegung. Darf man da den Namen einfach so nutzen?
Bisher schon, aber der OGR_Deutschland e.V. ist gerade dabei, Strukturen zu straffen und in Zukunft dürfen diesen Namen mit geschütztem Logo nur noch Regional-Gruppierungen nutzen, die im Verein organisiert sind - eben eine in Augsburg. Oma bzw. Omas gegen Rechts ohne Logo darf sich weiterhin jede Frau oder Gruppe nennen.

Die Bewegung hat bundesweit ziemlich Fahrt aufgenommen, die Mitgliederzahlen haben sich innerhalb kurzer Zeit vervierfacht.
Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung, im e.V. sind derzeit bundesweit knapp 10.000 Mitglieder organisiert. In Augsburg sind wir in allen drei Gruppen derzeit bei 75 aktiven Frauen.

Es gibt ja Leute, die euch belächeln und euch mit einem Kegelklub oder Kaffeekränzchen gleichsetzen. Und wie begegnet ihr solchen Menschen?
Wenn jemand mit so einem Vorurteil kommt, dann disqualifiziert die Person sich im Prinzip doch selbst. Er oder sie stellt uns in ein negatives Licht, um sich selbst größer zu machen. Das macht uns aber nicht wütend, sondern es motiviert uns, noch lauter zu sein und noch mehr zu agitieren. Manchmal ist es besser, wenn man unterschätzt wird. Wir sind die erste Generation an Frauen, in der sehr viele eine gute Ausbildung genossen haben und wir sind Frauen mit viel Lebenserfahrung.

Seit 9. Januar steht ihr jeden Freitag bis zur Kommunalwahl am Rathausplatz. Was hat euch zu diesem Schritt bewogen?
Das ging auf eine Idee unserer Augsburg-Gründungsoma Johanna Schalm zurück, die ist sehr vernetzt mit Omas in ganz Deutschland. Sie hat uns ein Bild mit Geistern von Kundgebungen in Aachen und Paderborn mitgebracht. Wir fanden die Idee super, uns war aber auch klar, dass wir so eine Aktion nicht alleine durchziehen können und deshalb haben wir uns mit den anderen beiden Oma-Gruppen zusammengetan. Bei dieser Gelegenheit ist auch ein Foto mit großem Symbolcharakter aus dem Stadtarchiv aufgetaucht. Es ist erschreckend, denn es dokumentiert, wie die Nazis am 9. März 1933 – nur 4 Tage nach der Reichstagswahl - das Augsburger Rathaus besetzen. Am 8. März wird in Augsburg gewählt, da war dieses Foto für uns nochmal ein echter Antrieb.

Die Performance am Rathausplatz ist ja nicht eure erste Aktion.
Wir stehen seit einem Jahr jeden ersten Freitag im Monat mit einer Mahnwache am Königplatz. Unserer Meinung nach finden zu wenig pro-demokratische Veranstaltungen statt. Das wollen wir ändern und deshalb auch die Performance am Rathausplatz, die wir bis zu den Wahlen durchziehen.

Ihr habt das Rathaus als Bühne gewählt. Ihr stellt euch dort bewusst der Öffentlichkeit. Was habt ihr für Erfahrungen gemacht, gab es auch kritische Situationen?
Es gab mal einen Vorfall mit einer älteren Frau, die herumgeschrien und anschließend laut die 1. Strophe des Deutschlandliedes gesungen hat. Wir beobachten, dass uns Leute erst kritisch gegenüberstehen. Aber wir suchen bewusst das Gespräch und erleben immer wieder, dass sie positiv reagieren und sich über den Dialog freuen. Auffällig ist auch, dass viele junge Menschen zwischen 14 und 16 Jahren uns Mut machen. Eine junge Frau trug einen Button mit der Aufschrift „Oma schickt mich“. Einmal kam eine Schulklasse vorbei, die Geld für uns gesammelt hat und es gibt Leute, die ihre Mittagspause mit uns in der Kälte verbringen. Wir wollen die rechtsstaatliche Demokratie für die junge Generation erhalten und es freut uns, wenn wir positives Feedback bekommen.

Wenn man auf die Jugend zugeht und den Dialog sucht, dann kommt Positives zurück.
Genauso ist es. Die Jugendlichen bedanken sich oft für unser Engagement und wir fordern sie auf, dringend in ihren Communities das Gespräch „Face to Face“ zu praktizieren… verbale Überzeugungsarbeit für IHRE Zukunft!

Fühlt ihr euch trotzdem manchmal wie Don Quijote?
Wir sind auch in Gersthofen am Rathausplatz präsent, da stehen wir mit einem Infostand neben der SPD, den Grünen, den Freien Wählern und der CSU. Eigentlich ist die AfD angekündigt, aber die kamen bisher nur einmal. Seit wir Omas da auftreten, ist dort nie mehr ein AfD-Stand aufgebaut worden.

Der Enquirer hat über euch diesen schönen Satz geschrieben: Es ist schon bemerkenswert, dass ausgerechnet jene Generation, der man gerne erklärt, wie die Welt funktioniert, offenbar am besten verstanden hat, wie sie funktioniert.
Bravo, dem ist nichts hinzuzufügen. Letztendlich sind wir gegen alle -ismen, auch gegen Linksextremismus. Die Gefahr von rechts ist derzeit wesentlich akuter. Wir engagieren uns auch für das Klima und sind auf vielen Klimademos; für einige von uns ging das Engagement mit der „Fridays For Future“-Bewegung los. Klimaschutz ist Enkelschutz!

Nach der Performance ist vor der Performance. Habt ihr schon Pläne für die Zeit nach dem 8. März?
Wir haben viele Ideen, aber die sind jetzt erst einmal bis 9. März in der Schublade. Wir wollen uns definitiv breiter aufstellen, bisher sind wir ja eher eine homogene Truppe und haben vor, uns mit anderen Gruppierungen zu vernetzen, türkischen Omas oder mit der queeren und schwarzen Community. Wir wollen uns als Zivilgesellschaft nicht dividieren lassen. Wir würden uns auch freuen, wenn wir zu Demokratie-Festen eingeladen werden. Wer uns braucht, kann uns anfragen. (ws)

Kontakt:
omasgegenrechts_augsburg@web.de (= Verein)
omasgegenrechts-augsburg@gmx.de (=Augsburg Nord-West/Kriegshaber)
ogr-augsburg@gmx.de (= Bündnis)

Fotos:
Walter Sianos
Stadtarchiv Augsburg

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