Geteilte Erfahrungen - Premiere des Theaterviertelfests am 24. und 25. Mai

Interview mit Catherine Pennington-Meyer und Richard Goerlich

Das Theaterviertelfest wird 2024 am letzten Maiwochenende seine Premiere haben. Veranstalter wird die Initiative „Theaterviertel jetzt“ sein, die zur Umsetzung des Fests einen Verein gegründet hat. Wir haben im uns im Schatten der Theatergroßbaustelle mit zwei der drei Vorstände, nämlich mit Catherine Pennington-Meyer und Richard Goerlich im Weißen Lamm getroffen.
Von Markus Krapf

Fiese Frage first: Theaterviertelfest oder Theaterquartierfest?
Catherine: Theaterviertelfest!

Die Frage stelle ich, weil seitens der Stadt immer vom Theaterquartier die Rede ist. Der Name eures Vereins lautet allerdings Theaterviertel Jetzt!
Richard: Ich bin ein Mann des Kompromisses und sage, es ist das Viertelfest im Theaterquartier. Allerdings geht es uns darum, die Sache selbst voranzubringen und nicht um Wortklauberei.

Das Theaterviertelfest ist auf einen von Generation AUX initiierten Antrag zurückzuführen. Wie schwer war es, den Stadtrat von der Umsetzung zu überzeugen?
Richard: Ich glaube schon, dass es nicht einfach für den Stadtrat war, im Kontext der finanziellen Förderung anderer Stadtteilfeste zu entscheiden, dass unser Fest ein besonderes Projekt ist und man sich bemühen muss, für die sehr teure Sanierung des Staatstheaters einen anderen kommunikativen Spin zu bekommen. Es war sicher zunächst ein innerer Kampf der Stadträt:innen, dieses Geld zu investieren, aber unser Vorstandskollege Raphael Brandmiller, der selbst im Stadtrat sitzt, hat hier ganze Arbeit geleistet und sich an vorderster Front für unsere Idee eingesetzt. Am Ende war es dann für alle Beteiligten ein guter und gangbarer Kompromiss, der hochgradig Sinn für die Stadt macht.

Ich habe aus dem Umfeld des Ulrichsviertelfests ironische Bemerkungen wegen des städtischen Zuschusses von 80.000 Euro für euer Fest vernommen.
Catherine: Man darf nicht unterschätzen, wie wichtig eine kulturell vibrierende Stadt ist. Das Investment der Stadt wird sich auszahlen, ich gebe dir ein Beispiel: Wenn Unternehmen darüber entscheiden, in welcher Stadt sie sich niederlassen, schauen sie unter anderem auch nach dem kulturellen Angebot des Standorts. Denn die benötigten hochqualifizierten, talentierten Mitarbeitenden werden sich eher an einem Ort ansiedeln wollen, der ihnen viel Lebensqualität bietet.

Richard: Das unterschreibe ich und habe ebenfalls ein Beispiel: Bei meinem Arbeitgeber, der Universitätsklinik Augsburg und an der medizinischen Fakultät, arbeiten Tausende Akademiker:innen, Ärzte, Wissenschaftler! Im Wettbewerb um diesen sogenannten Braingain spielt Kultur eine wichtige Rolle. Diese Menschen informieren sich über ihre neue Heimat. Kann ich dort etwas erleben, was ist kulturell geboten, habe ich dort ein Staatstheater, habe ich eine gute Festivalszene … Um es rund zu machen, das Theaterviertelfest versteht sich als ein Teil dieses Angebots, nämlich als ein alternatives Stadtfest zu den großen Augsburger Sommernächten mit einem stärkeren Fokus auf Kunst und Kultur. Und hier hatten wir in Augsburg bisher ein großes Defizit, das wir jetzt zu füllen gedenken.

Catherine: Darüber hinaus haben wir die Gelegenheit, dem Theaterviertel durch das Fest eine coole Identität zu geben und die müssen wir nutzen.

Das Theaterviertelfest soll „das Viertel zur Bühne der Kultur machen“, es wird als Fest für alle angekündigt. Wie setzt ihr das um?
Catherine: Insbesondere durch ein hohes Maß an Vielfalt. Es gibt ein bisschen von allem, so dass sich möglichst viele Leute in unserem Angebot wiederfinden.

Das Fest findet in verschiedenen Zonen statt, die Grottenau ist eine davon, sie wird aber bei der Premiere noch nicht am Start sein. Warum?
Richard: Was wir machen, ist im Vergleich zu anderen Stadtteilfesten durch die Verkehrssperrungen oder die Bühnenaufbauten eine sehr aufwändige Sache. Wir haben nicht nur eine Straße oder einen Platz zu bespielen, sondern befinden uns direkt an einer unattraktiven Großbaustelle und mitten an einem Verkehrsknotenpunkt. Wir werden uns alle Mühe geben, dieses Viertel aufzuladen und neue Bilder in den Köpfen der Besucher:innen entstehen zu lassen. Die Aufgaben sind groß, deswegen werden wir im ersten Schritt die Grottenau weglassen, nicht zuletzt, weil die Straße eine Hauptverkehrsader Augsburgs ist, deren Sperrung wir zunächst unterschätzt haben und mehr Vorlauf brauchen, um sie zu organisieren. Sollte die Sperrung der Grottenau im nächsten Jahr politisch gewünscht sein, dann sollte offen gestanden aber auch die Stadt dafür sorgen, die verkehrs- und ordnungsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen.

Besteht nicht die Gefahr, dass es eine Party für die Hipster wird, die dort sowieso an einem ganz normalen Samstagabend feiern, nur größer, lauter und länger?
Catherine: Rich hat es schon gesagt, dass wir keine Saufparty organisieren, sondern ein Fest der Vielfalt. Neben facettenreicher Kunst und Musik haben wir auch Ruhezonen, es wird unter anderem ein Yoga-Angebot, Kindertheater oder DJ-Workshops geben. Der Extremismus in unserer Gesellschaft ist leider stärker geworden und wir wollen dem in unserer Friedensstadt entgegenwirken. Wichtig ist es, geteilte Erfahrungen anzubieten, denn wo Menschen aus jeder Ecke unserer Gesellschaft zusammenkommen, werden Grenzen aufgebrochen.

Richard: Es wird definitiv kein Hipster-Fest! Wir haben Familienprogramm, es gibt Blasmusik, wir machen ein Weißwurstfrühstück für die Anwohnenden am Samstag, es gibt Klassik und Chormusik. Wir schaffen geteilte Erfahrungen für unterschiedlichste Personengruppen und am Ende geht es darum, dass die Menschen sagen: Ich wusste gar nicht, dass die Stadt so etwas anbietet, dass das Theater so etwas anbietet. Das wird aber sicher ein Prozess, der sich über die nächsten Jahre hinweg entwickeln muss.

Als musikalischer Neue Szene-Aktivist fiebere ich den Acts entgegen. Welche Live-Bands gibt es auf die Ohren?
Richard: Steve Train‘s Bad Habits werden Rockabilly spielen, wir haben die Fliegenden Haie mit radikalem Electro-Pop, die südafrikanische Staatstheater-Sopranistin Sally du Randt, einen Kneipenchor, eine Latin-Formation, Bluesrock und vieles andere mehr …

Catherine, du bist Galeristin, welche Rolle spielt die Kunst?
Catherine: Ein Highlight ist sicher die große Ausstellung in unserem temporären „Haus der Kunst“. Im Parkhaus in der Ludwigsstraße auf den Stockwerken unter dem Sonnendeck wird es erstmals ein Urban Gallery geben. Hier kommen ganz viele regionale Künstler aus dem Viertel, vom Gaswerk, von Schöne Felder und viele mehr zusammen und zeigen ihre individuellen Arbeiten. Es ist eine coole Popup-Ausstellung mit urbanem, lockerem Flair. Sie wird aufzeigen, dass Kunst niemanden ausschließt, vielfältig, leicht zugänglich und offen für alle ist.

Richard: Es geht um das Sichtbarmachen von Leuten, die Talent haben und etwas machen in der Stadt und es geht auch um das Sichtbarmachen von Gebäuden, auch wenn sie im Moment vielleicht etwas baustellenmäßig daherkommen. Es wird sicher sehr spannend sein, eine Galerie in einem Parkhaus zu sehen, genauso spannend wird es aber auch, direkt vor den Baucontainern ein Konzert zu erleben.

Wie geht’s nach 2024 weiter?
Richard: Die ersten drei Theaterviertelfeste sind in einem jährlichen Turnus gesichert und für diese drei Ausgaben werden wir mit unserem Verein auch die Organisation übernehmen, was danach kommt wird man sehen.

Catherine: Wenn die Leute dieses Jahr sehen, wie toll es ist, bleibt das Fest hoffentlich für immer! (max)

www.theaterviertel-jetzt.de/

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